Mephisto 1 Bass

Phantom
Die aufwendigen Edelbässe made in Germany sind längst Legende, aber seit einer Weile bildet sich hier eine neue (Preis-) Klasse heraus. In Zeiten knapper Kassen bieten immer mehr erfahrene Bassbauer hochwertige, aber etwas schlichter bestückte Instrumente zum Mittelklassepreis an, die der starken ausländischen Konkurrenz in diesem Segment durchaus Paroli bieten können.

Kennzeichen dieser neuen, gehobenen Mittelklasse ist durchweg die hochwertige Holzkonstruktion mit aufgeschraubtem Hals, ausgereifte Ergonomie und eine gediegene Ausstattung, also alles ganz nach Edelbass-Manier. Allerdings verzichtet man hier aus Kostengründen auf teure Tropenholzdecken, besonderen Detailschnickschnack und meist auch aufwendige Lackierungen. Das bedeutet dann im Endeffekt, daß ein solcher Mittelklassebass in den wesentlichen Punkten - Sound und Bespielbarkeit - nicht einem viel teureren Nobelmodell nachstehen muß. Wenn es also um ein gutes Arbeitsinsrument und nicht um ein Zierstück geht, ist man mit einem Bass wie dem Phantom Mephisto sicherlich bestens bedient.

Konstruktion
Der Korpus des Mephisto besteht massiv aus zwei Teilen schön gezeichneter amerikanischer Esche, wahlweise ist aber auch eine Ahorn-Ausführung lieferbar. Der Schraubhals ragt sehr weit in den Korpus hinein und endet erst am Tonabnehmer; sechs Schrauben auf der Rückseite sorgen für eine besonders stabile Verbindung. Die Halskonstruktion ist dreistreifig, und es kommt erstklassiger, gerade gewachsener Ahorn mit stehenden Jahresringen zum Einsatz, wobei zwischen den Ahornstreifen dunkle Furnier-Zwischenlagen eingefügt sind. Bemerkenswert ist dabei auch, daß die nach hinten abgewinkelte, stabile Kopfplatte nicht angeleimt ist, sondern ein Stück mit den Halsstreifen bildet. Das dicke Palisander-Griffbrett ist mit 24 polierten Jumbobünden bestückt. Außer einem dünnen Zierbelag aus Vogelaugenahorn auf der Kopfplatte weist der Phantom keinerlei unnützen Zierrat auf, ist aber in seiner Grundkonstruktion kerngesund. Die Verarbeitung der Hölzer erscheint tadellos, und deren Oberflächen werden durch Hartlack versiegelt, beim Korpus einfach matt und offenporig, beim Hals seidenmatt poliert. Für den Body stehen die Ausführungen Nature Wood (Testbass), Amber Yellow, Ocean Blue und Spanish Red zur Auswahl. Lefthand-Modelle werden ohne Aufpreis gefertigt, ebenso Fretless-Ausführungen, die dann ein Ebenholz-Griffbrett besitzen. Und der Aufpreis von nur ca. DM 260,- für einen Fivestring erscheint knallhart günstig kalkuliert.

Mechaniken: Standardmäßig ist der Mephisto mit verchromten Metallteilen ausgestattet, aber auch die vorliegende Black-Chrome-Bestückung ist auf Wunsch ohne Aufpreis zu haben. Der Tuning-Fork-Flachsteg besitzt eine besonders solide Grundplatte und dreidimensionale Justiermöglichkeiten für jede Saite. Damit hier nichts klappern oder Obertöne "fressen" kann, werden alle beweglichen Teile nach dem Einstellen durch Klemmschrauben festgesetzt. Auch die gekapselten Stimmechaniken sind von hoher Güte, wenn auch nur die koreanische Kopien der beliebten Gotoh-Präzisionstuner. Doch auch die "C-Gotohs" haben sich nun auf zahlreichen Testbässen bereits als einwandfrei funktionierende Bestückung bewiesen. Serienmäßig ist der Mephisto mit arretierbaren Gurthaltern ausgestattet, die sich übrigens auch mit einem normalen Gurt verwenden lassen. Die Hardware-Ausstattung macht also rundum einen guten Eindruck.

Tonabnehmer/Elektronik: Und dieser Eindruck bestätigt sich auch bei näherer Betrachtung der Elektro-Bestückung. Die beiden Spulen des MM-Humbuckers von Kent Armstrong lassen sich per Push/Pull-Schalter am Volumenpoti wahlweise in Serie oder parallel schalten, womit schon einmal zwei Grundsounds zur Verfügung stehen. An einem Mini-Kippschalter läßt sich zudem noch ein aktiver Zweiband-EQ zuschalten, dessen Einstellberech für Höhen und Bässe jeweils ±15 dB umfaßt. Diese Aktivschaltung arbeitet mit einer 9-Volt-Batterie laut Hersteller etwa 200 Stunden non-stop.

Praxis
Handhabung:Mit einem Gesamtgewicht von ca. 4 kg gehört der Phantom weder zu den besonders leichten noch zu den schweren Viersaitern. Vielmehr besitzt der Body eine gesunde Masse, die einem langen Sustain nur zuträglich sein kann. Am Gurt hängt der wohlgeformte Bass sauber ausbalanciert und stabil in jeder gewünschten Spielposition. Das Profil des flachen, breiten Halses ist ein wenig unsymmetrisch geformt, was sich auf den Spielkomfort positiv auswirkt, ohne sich aber ungewohnt anzufühlen. In jeder Hinsicht bietet dieser Viersaiter eine sehr leichte Bespielbarkeit, wobei das breite Griffbrett gleichzeitig sauberes Greifen befördert.

Klangverhalten: In der Passiv-Einstellung ohne EQ kommt der Mephisto mit geradezu fenderartiger Samtigkeit rüber, und tatsächlich unterscheidet er sich in der Holzauswahl auch kaum von den Fender-Eschemodellen der Siebziger Jahre. Daß aber sein Grundton noch festere Konsistenz aufweist und im Durchsetzungsverhalten strammer rüberkommt, dürfte der besseren Hardware und der härteren Mehrstreifen-Halskonstruktion mit stehenden Jahresringen zu verdanken sein. Passiv präseniert sich dieser Viersaiter also rund, druckvoll und stramm, ohne dabei aber hart und scharf zu wirken. Dabei unterscheiden sich Serien- und Paralleleinstellung für den Kent-Armstrong-Humbucker vor allem durch die Gewichtung des Tiefenfundments. Für begleitendes, tragfähiges Bass-Spiel ist die Serien-Einstellung günstig, während die Parallel-Stellung bei Solopassagen den Mephisto-Ton etwas präsenter in den Vordergrund rückt. Auch bei neutral eingestellten Klangreglern ergibt sich beim Umschalten von "Passiv" auf "Aktiv" bereits ein deutlich wahrnehmbarer Klangunterschied; die fenderartige Samtigkeit weicht einem eher metallischen Lispeln beim Tonschlag, wie es eher typisch für den Music Man Sting Ray ist. Damit dürfte der Phantom Mephisto einige ausgesprochen beliebte Grundsounds parat haben, die sich übrigens mit den ausgesprochen wirkungsvollen Klangreglern noch sehr stark formen lassen. Bereits wenige Millimeter neben der Neutralstellung liefert die Eletronik sehr satte Bassboosts, die auch den etwas knochigeren Parallel-Sounds des PUs ein solides, tragfähiges Fundement verleihen. Auch die Drahtkomponente im Ton läßt sich mit dem Höhenregler in weiten Grenzen variieren.

Resümee
Dieser sauber gearbeitete Viersaiter zeichnet sich durch einen straffen, aber nicht harten Grundklang aus, der je nach Einstellung mal mehr an einen Siebziger-Jahre-Fender, mal eher an einen Music-Man-Bass erinnert und dabei aber am EQ noch wirkungsvoll variierbar ist. Außer diesem attraktiven Klangverhalten sprechen noch günstige Bespielbarkeit und Handhabung, hochwertige Materialien und gesunde Ausstattung für diesen schlichten Arbeitsbass, der sicherlich auch gehobene Profi-Ansprüche befriedigen kann.

Übersicht
Fabrikat: Phantom
Modell: Mephisto 1
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Ahorn mit Palisander-Griffbrett, 24 Jumbobünde
Halsbreite: Sattel: 40; XII. Bund: 55 (mm)
Saitenabstände Steg: einstellbar; Herstellerjustierung 18,5 mm
Korpus: zweiteilig amerikanische Esche oder Ahorn
Oberflächen: Hartlack-Versiegelung
Tonabnehmer: passiv; MM-Humbucker von Kent Armstrong
Elektronik: aktiv; Zweiband-EQ
Batterie: 1* 9 Volt
Ruhestrom: ca. 1 mA
Bedienfeld: Volumen (Push/Pull Serie/Parallel), Bässe, Höhen, Umschalter Aktiv/Passiv
Mechaniken: verchromt oder schwarz; gekapselte "C"-Stimmechaniken, Tuning Fork 3D-Steg mit Klemmarretierungen, arretierbare Gurthalter
Gewicht: ca. 4 (kg)

Plus:
Klangverhalten/Soundmöglichkeiten
Bespielbarkeit/Handhabung
Ausstattung
Material

Preis: ca. DM 1790,-

Dirk Groll, Gitarre & Bass 5/98